Family Group Conference - Familienrat

Family Group Conference, hierzulande auch Familienrat wird ein Verfahren genannt, das geeignet ist, den Prozess der Definition des Hilfebedarf von Familien neu zu verstehen. Erstmals sind die Betroffenen selbst diejenigen, die Antworten auf Sorgen und Zweifel des Jugendamtes geben.

Das Verfahren wurde in Berlin einer breiteren Fachöffentlichkeit erstmalig im Juni 2006 im Rahmen des 3. Fachpolitischen Diskurs/Berliner Jugendhilfe von Prof. Dr. Frank Früchtel und Wolfgang Budde vorgestellt. Nach den aus dem Ausland berichteten Erfahrungen erschien das Verfahren geeignet, die in der Sozialraumorientierung postulierte Priorität der Aktivierung von Potenzialen des familiären Umfelds und der unmittelbaren Lebenswelt besonders zielgenau umsetzen zu können.

Dies geschieht vor allem dadurch, dass in der Kernphase des Verfahrens der Rat ohne die Experten des Jugendhilfesystems tagt. Die professionelle Begleitung des Verfahrens zielt stattdessen auf die methodische und organisatorische Begleitung des von der Familie getragenen Prozesses.

Prinzipiell ist das Verfahren in allen Bereichen der Hilfen zur Erziehung (Leistungs-, Grau-, Gefährdungsbereich) einsetzbar.

Bei erfolgreicher Implementierung hat das Verfahren das Potential, die Anbahnung der Hilfen zur Erziehung grundlegend neu zu definieren. Berichte aus Neuseeland und Holland sowie anderen europäischen Staaten weisen einen messbaren Rückgang stationärer Hilfen nach. Die wesentlich höhere Akzeptanz der nach der Durchführung des Verfahrens eingesetzten Hilfen lässt nach den vorliegenden Jugendhilfestudien (EVAS, JES u.a.) bessere und nachhaltigere Wirkungen schlussfolgern.

Ein Gelingen dieses Ansatzes setzt eine stabile wertschätzende und zutrauende Haltung der Fachkräfte sowie einen langen Atem aller beteiligten Fachkräfte und Träger voraus.

Seit Oktober 2007 nimmt JaKuS am Modellprojekt „Family Group Conference“ des Bezirksamts Mitte teil. Ziel ist die Durchführung und Evaluation einer relevanten Anzahl von Familienräten. Kooperationspartner dieses Projekts sind das Jugendamt Berlin-Mitte, Compass e.V., JaKuS e.V.  und die Fachhochschule Potsdam.

Weitere Vereinbarungen zur Erprobung des Verfahrens bestehen mit den Jugendämtern von Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg.